Kunst oder Design?

Der Sammler Harald Falckenberg vertritt die Meinung "Gutes Design muss wehtun, damit es auffällt". Beispiele aus der Designgeschichte, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten (Bauhaus versus Memphis) erzielen zu ihren Blütezeiten bei weitem nicht die Summen, welche sie heute den Vintage-Furniture-Dealern einbringen. Die Preise für rare Objekte nähern sich den Preisen für Kunstwerke an. Marc Newsons Lockheed Lounge, eine Chaiselongue aus einer 10er-Edition von 1988, wurde beim Auktionshaus Phillips in London für rund 2,5 Millionen Pfund versteigert. 2009 erzielte der lederne Dragon Chair von der Art-Deco-Ikone Eileen Gray sogar sagenhafte 27,8 Millionen Dollar. Wenn aufgrund solcher Preise ein Möbel zu einem Anlageobjekt wird, macht das aus dem Gestalter noch keinen Künstler, schon eher ein Designobjekt zum Statussymbol.

In den letzten Jahren sind die beiden Disziplinen Kunst und Design immer mehr zusammengerückt. Dazu beigetragen haben die experimentellen "Limited Editions", über deren Zuordnung sich die Experten beider Lager seit etlichen Jahren streiten. Design-Objekte dieser Art könnte man als angewandte Kunst mit einer künstlerischen Ausdrucksform bezeichnen. 2009 zeigte das NRW Forum in Düsseldorf eine Ausstellung unter dem Namen "UFO: Grenzgänge zwischen Kunst und Design". Dort präsentierten sich Kunst und Design demokratisch nebeneinander, bewusst ohne Zuordnung, dazwischen Zitate von Protagonisten der jeweiligen Disziplin zu der Frage: "Was ist Ihre Definition von Design?" Konstantin Grcic antwortete: "Ein Künstler versteht sich als Künstler, der Kunst produziert. Wir sind, glaube ich, alle Designer und verstehen uns als Designer, und was wir produzieren ist Design, egal, ob es nur ein Mal produziert wird, wie bei einem Einzelstück, oder zehntausend Mal." Diese Überblicksschau zeigte, dass es auf den Betrachtungswinkel ankommt.

Design im klassischen Sinne schwankte schon immer zwischen Ingenieurwesen und künstlerischer Schöpfung. Wenn man das Designobjekt, beispielsweise eine Stuhlskulptur, aus dem "White Cube" ins Wohnzimmer verfrachtet, kann man darauf sitzen. Im Gegensatz dazu erfüllt Kunst keine konkrete Aufgabe, sondern hat einen rein "dekorativen" beziehungsweise intellektuellen Anspruch. Der 1976 verstorbene Kunsttheoretiker und -kritiker Ad Reinhardts vertrat die Meinung "Art is Art. Everything else is everything else." Man könnte es Experten, Journalisten und Käufern überlassen, wo sie das jeweilige Werk oder Objekt beheimaten wollen. Eine eindeutige Antwort auf die Frage "Kunst oder Design?" gibt es also nicht.